Von „Gerade laufen? Wie uncool“ und reinstem Wahnsinn

Heute war es endlich so weit – der Tag, auf den wir seit unserem Verlassen der Schule gewartet hatten. Die Erwartungen waren hoch – zu hoch? Wohl kaum. Man hatte immerhin schon einige andere Abistürme mitgemacht, man wusste also genau, was man erwarten konnte und was nicht.

Tja, denkste.

 

Wir waren seit jeher die schlimmste Stufe des Gymnasiums, das wurde uns oft genug gesagt. Aber dass all dies so endet, hätte wohl niemand erwartet.

 

Alles fing mit den Lehrerkommentaren in der Abizeitung an. Jeder Schüler schreibt etwas über die Lehrer – wurde seit jeher so gemacht. Während meiner Schullaufbahn gab es einmal große Probleme mit diesen Kommentaren, sodass der Stufe der Abisturm ganz verboten wurde und nur die zensierten Zeitungen verkauft werden durften (jedenfalls auf dem Schulgelände *hust* Die Unzensierten waren heißbegehrte Dealerware vor dem Eingang :D)

 

Dieses Mal sollte es ähnlich zugehen. Bei einer Vorbesprechung wurde uns geraten, die Kommentare ganz zu entfernen, obwohl fast gar keine schlimmen Kommentare drin standen. Einiges sollte ja auch noch rausgestrichen werden.

 

Jetzt kommt aber das Unglaubliche : unser eigener Stufenleiter soll dem gesamten Lehrerkollegium einige Lügen über ihre Kommentare erzählt haben. Dinge, die schon längst durchgestrichen waren, waren laut ihm immer noch in der Zeitung. So stellten sich also auch alle anderen Lehrer gegen uns, ohne genau zu wissen, was nun stimmte oder nicht. Selbst der Vorschlag, ihre Kommentare vorher zu lesen und bestätigen zu dürfen, wurde abgelehnt.

 

Gut, jetzt stand also das gesamte Lehrerkollegium gegen uns, ohne wirklich zu wissen, was Sache ist. Danke.

 

Aber nun zum Abigrillen. Zu Beginn war es schon eher öde. Man versuchte, gewissen Lehrern auszuweichen, unterhielt sich mit einigen „ehemaligen“ Lehrern (was erstaunlich locker war) und trank *hust* Multivitaminsaft^^.

 

Oder war es doch eher (hochprozentiger) Blutorangensaft?

 

Irgendwann lockerte es sich jedenfalls auf – nach einigen Diskussionen und Einlaufproben.

Man begab sich  also mit einer kleinen Gruppe (und einer Shisha) etwas weiter weg vom Geschehen und konnte so noch recht viel Alkohol Spaß haben. Schöner Ausblick, oder?

 

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Um nach 3 (glaub ich), waren wir nur noch zu 4t auf dem Pausenhof und verzogen uns doch in Autos oder einfach nach Hause. Und man glaubt nicht, wie lange man für einen etwa 300m langen Weg brauchen kann. Ich meine, so wie ich die gesamte Straße ausgenutzt habe, habe ich auch mindestens 600m zurückgelegt^^“ Aber wie gesagt: „Gerade laufen? Wie uncool.“

 

Uncool war aber auch, dass man nun um halb 7 am nächsten Tage auf dem Schulhof zu sein hatte – morgens. Ich kam natürlich nur ganz zufällig und überhaupt nicht geplant ne halbe Stunde zu spät. Wieso sollte ich auch, da war ja schon ganz großes Kino los. Staubballen kennen manche ja immerhin nur von der Leinwand.

 

So fing es dann auch irgendwann mal an mit dem Nassspritzen und auf den unteren Schulhof jagen der armen kleinen Schüler. Es hat aber auch Spaß gemacht, ihnen, nachdem man sie von oben bis unten nassgespritzt hatte, ein fröhliches „Guten Morgen!“ entgegen zu schmettern (Das hat mich irgendwie an das „Guten Morgen!“ erinnert, was ich damals nach Rückkehr aus London dem armen Kontrolleur entgegen geschmettert hatte. In etwa um dieselbe Uhrzeit. Der hat auch geguckt wie’n Auto.)

 

Irgendwann ging es dann zum Bürgermeister zum Sektempfang. Auf den habe ich netter Weise verzichtet und habe mich mit einem Schokokuss und Wasser zufrieden gegeben. Ich konnte immerhin gerade erst wieder gerade laufen :D.

 

In dem kleinen Büro des Chefs wäre ich dann fast in der Schwüle erstickt, aber dann ging es gsd in den siebten Stock (ich hasse Treppen), um von dem dortigen Balkon aus die Stadt zu betrachten.

 

Für Kim, Alina und mich war die Feuertreppe allerdings viel interessanter :D. So standen wir dann kurze Zeit später auf dem Dach des Rathauses und „genossen die Aussicht“, was bei mir eher in einem „Scheiße, ich hab Höhenangst!“ unterging. Gut war natürlich auch unser kleines Gespräch, was wir beim Erklimmen der Treppe geführt hatten.

 

Person A: Dürfen wir eigentlich hier hoch?

 

Person B: „Ne, sicherlich nicht. Aber sieht ja keiner!“

 

Kaum kamen wir oben an, saßen da Bauarbeiter auf dem Dach und guckten uns ganz entsetzt an. Ärger haben wir allerdings nicht bekommen, wir sind schließlich Abiturienten, da hat man gewisse Vorrechte (oder man nimmt sie sich einfach).

Dass wir aufgrund dieser Aktion unsere Gruppe verloren hatten, war auch eher egal. Dafür standen wir schließlich auf dem Rathausdach. Und ich hab mein Haus gesehen :D. (Den Satz „Hey, ich kann mein Haus sehen!“ hab ich in letzter Zeit erstaunlich oft gebracht xD‘.

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Aber zurück zu dem eigentlichen Abisturm. 2 Lehrer hatten sich hinterher doch überreden lassen bei unseren Spielen mitzumachen und hatten sich somit gegen das gesamte restliche Lehrerkollegium gestellt. Vielen Dank nochmal . Die restlichen Spiele wurden einfach mit Kindern durchgeführt. Im Allgemeinen war es hinterher eine nasse Angelegenheit, die ziemlich viel Groll auf Seiten der Abiturienten hinterlassen hat. Aber man kann sich seine Lehrer ja nicht backen.

http://de.tinypic.com/r/x5to4z/3

 

Der Abisturm ging, die Zeugnisverleihung kam.

 

Morgens früh hatte ich meinen Bruder vom Bahnhof abgeholt (und es wäre nett gewesen, wenn ich was über die Baustelle auf der Autobahn gewusst hätte… und abends ging es dann im schicken Kleidchen zur Schule.

 

Wir saßen schön vorne, mit dem Gesicht der Menge zugewandt, damit man es ja nicht wagen würde, einzuschlafen, und mussten uns stundenlang Reden und musikalische Zwischeneinlagen anhören. Es dauerte einfach zu lang. Mal davon abgesehen, dass die Reden einfach nur so ein geheuchelter Schmarrn waren. „Meine liebe Stufe“ – aha, und warum kam besagter Lehrer dann nicht zu dem Abiball der eigenen Stufe? Um sein Privatleben zu schützen? Also bitte, lächerlicher geht es einfach nicht mehr. Öffentlicher als öffentlich können einige Sachen einfach nicht werden und  ich verstehe auch nicht so recht, inwieweit seine Privatsphäre hätte verletzt werden können.

Aber wayne, wenigstens waren einige Lehrer da. Was sollte sich auch der Schulleiter oder der Stufenleiter da rum treiben, wenn wir doch eh so eine bescheidene Stufe waren?

Mich interessiert es nicht die Bohne, ich habe mir einen schönen Abend gemacht. Und ja, der Abend musste erst schön getrunken gemacht werden. Stundenlanges Warten, ein kaltes bzw. halbleeres Buffet, eher lasche Unterhaltungseinlagen, die einfach zum falschen Zeitpunkt aufgeführt wurden, ein erbärmlicher Einlaufstanz und dann gab es außer Wodka noch nicht mal härteren Alkohol. Ich meine, war jetzt nicht mein Problem, aber Andere hätten gerne auch was Anderes getrunken. Auf 9cm Absätzen ließ es sich dann auch irgendwann nicht mehr so gut tanzen und dann ging es einfach barfuß weiter – bis 5 Uhr morgens, dann wurden wir nämlich mehr oder weniger rausgeschmissen :D.

 

Der Abend wird mir jedenfalls nicht in allzu schlimmer Erinnerung bleiben (nur meine Füße taten auch irgendwann weh, weil gewisse Leute meinten, mit mir tanzen zu müssen…

 

Dies war also das Ende meiner Schullaufbahn. Nun war es endgültig. Nun sollte ein neuer Lebensabschnitt beginnen… Aber auch erst nach der Erholungsphase :D

11.7.09 18:28

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